Kostenlosmentalität und deren Gefahren (GEIZ IST GEIL)

Computer und Sicherheits-Wissen Artikel 2


Tech-Writer Uwe

Tech-Writer Uwe am 01.09.2014



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Wir sind alles nur Menschen und Geld zu sparen ist immer ein gutes Gefühl. Nur wenige unter uns müssen nicht auf Geld achten, die anderen können fast nur durch die GEIZ IST GEIL – Mentalität überleben. Ich hab absolut Verständnis dafür und kann mich auch selber davon nicht freisprechen – ja – es ist geil, wenn ich 100 Euro gespart habe und woanders ausgeben kann.


Copyright und Lizenz: Frei nach Public Domain CC0.

Allerdings hat jede Ersparnis und insbesondere ein Geschenk von Fremden immer einen Hacken. Wer kennt nicht den Spruch: „Nur der Tot ist umsonst!“. An der Kostenlosmentalität ist grundsätzlich nichts auszusetzen, jedoch sollte der Verstand hier einfach eingeschaltet werden. Frage dich einfach mal folgendes:

  • Warum ist dieser fremde Mensch oder Firma so gut zu mir und will mir was schenken?
  • Wenn dieser Mensch oder Firma alles verschenkt, wovon leben diese dann?

Bis Sommer 2014 war TrueCrypt ein absolut beliebtes kostenloses Tool zum Verschlüsseln von Festplatten. Ich habe mir TrueCrypt angesehen und schon bei der Installation fiel mir auf, dass diese schöne Anwendung digital Unterschrieben war. Eine digitale Unterschrift für Treiber und Software von einer authentischen Organisation kostet allein schon jedes Jahr viel Geld. Wir können uns das als Softwareherstelle trotz Lizenzgebühr nicht leisten. Das eine ist, das jede Menge qualifizierter Programmierer dieses Tool ohne Entgelt entwickelten, das andere ist, das es professionell vermarktet und sogar kostenpflichtig von einer CA unterschrieben wurde. Wer hat so viel Geld, dass er kostenlos Arbeitet und noch darüber hinaus so viel Geld reinsteckt um den Nutzern dieses tolle Geschenk zu machen? Woher kommt das ganze Geld? Warum wurde TrueCrypt unter diesen recht mysteriösen Umständen von heute auf morgen eingestellt?

Es ist immer die Rede von den unzähligen kostenlosen Open Source-Softwareprodukten. Was heißt Open Source? Open Source heißt, dass der Quellcode für jeden Einsehbar ist. Nun wieder ein paar einfache Fragen:

  • Hast du dir schon mal den Quellcode von Open Source angesehen und auch nur eine Zeile verstanden?
  • Würdest du dir zutrauen unter tausenden Seiten von kryptischem Quellcode eine Hintertür zu finden?
  • Hast du versucht diesen Quellcode selber in eine ausführbare Programmdatei umzusetzen?
  • Wer setzt den Quellcode in ausführbaren Code um und wer steht hinter ihm und kontrolliert, ob hier nicht manipuliert wird?
  • Ist kostenloser Open Source nun wirklich sicherer als kostenpflichtige Software?
  • Wo kommen all die selbstlosen Menschen her, wo kann ich diese finden und wovon leben diese?

Softwarefirmen haben ebenso ein Recht Geld mit ihrer Software zu verdienen, wie jeder andere Arbeitnehmer für seine Arbeitsleistung. Insbesondere kostenpflichtige Software kann es sich allein schon aus rechtlichen Gründen nicht leisten, bewusst den Anwender über Art und Umfang der Software zu belügen. Ich denke, es ist fair für seine Arbeitsleistung auch einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten.

Unabhängig von den Gefahren oder Hintertüren der kostenlosen APPs will ich das nicht ganz verteufeln und auch ich selber verwende mal gerne kostenlose Programme. In vielen BLOGs weiße ich beispielsweise auf kostenlose Programme wie den TOR-Browser oder VM VirtualBox von Oracle hin. Mir ist klar, dass hier versteckte Gefahren lauern die aber in diesem Fall kalkulierbar sind. Mit etwas Geschick kannst du auch selber nach Hinweisen im Internet suchen. Du musst selber abwägen, ob dir die Ersparnis das Risiko wert ist oder nicht. Was solltest du bei kostenlosen APPs unbedingt beachten:

  • Lies vor der Installation einfach mal die Lizenzvereinbarung. Hier steht nicht selten drin, dass du dich bereits erklärst zahlreiche Informationen von dir an den Hersteller zu übermitteln.
  • Oftmals werden neben dem gewünschten Programm zusätzliche APPs und ToolBars installiert, die du gar nicht wolltest (auch Add- und Spyware). Wähle bei der Installation immer „Benutzerdefiniert“ aus und prüfe jede Option. Leider spielt es meist keine Rolle, ob du die Option deaktivierst. Ich erlebe immer häufiger, dass einfach alles mitinstalliert wird.
  • Bedenke, dass die kostenlose Software vollzugriff auf deinem PC, dessen Daten und Hardware hat. Alle deine Daten können ausgewertet und übermittelt werden. Was für Filme und Bilder schaust du dir an? Dein PC-Mikrofon oder Kamera kann aktiviert werden. Deine Gespräche belauscht und übermittelt werden. Schadsoftware kann nun beliebig und ohne Probleme im Hintergrund gedownloadet und installiert werden. Dein PC kann für illegale Aktionen ohne dein Wissen missbraucht werden.
  • Die kostenlose APP installiert dir (oft bei Spielen) eine Art FileSharing-Software, über die andere wiederum von deinem PC Daten downloaden können. Merken tust du so was nur, wenn dein Internet langsamer wird.
  • Führe kostenlose APPs vor der Installation auf deinem realen PC auf einem virtuellen System (ist in einem anderen Blog erläutert) aus.

Lange Rede kurzer Sinn – wäge ab, ob du die Nachteile und Sicherheitseinbußen von kostenloser Software zugunsten der Ersparnis eingehst, oder lieber auf kostenpflichtige Software setzt. Bei der kostenpflichtigen Software weißt du zumindest, wovon sich der Hersteller finanziert – von kostenloser Software bleibt dies meist ein Geheimnis.

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